das projekt judas
to build a hackintosh


Als Steve Jobs am 6. Juni 2005 der staunenden Fachwelt verkündete, dass Apple in Zukunft Prozessoren von Intel verbauen würde, rief diese Entscheidung heftige Reaktionen und kontroverse Diskussionen hervor, die an dieser Stelle nicht wieder aufgewärmt werden sollen. Unmittelbar nach dem Intel-Switch machten sich einige furchtlose Hacker daran, Mac OS X auf PC, die nicht von Apple waren, zum laufen zu bringen. Zunächst ging es darum zu zeigen, dass ein solches Unterfangen überhaupt machbar war. Diese Zeiten sind lange vorbei. Inzwischen werden sogenannte Hackintoshs auch von Otto Normaluser im Alltagsbetrieb eingesetzt. Diese Seite soll in erster Linie den Verlauf des "Projekts Judas" dokumentieren. Sie soll ausdrücklich nicht als Anleitung zum Bau und zum Betrieb eines OSX86-Rechners dienen oder verstanden werden.

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Philosophische Grundlagen

Wer denkt, dass Hackintosh-Benutzer eigentlich nur nicht die Kohle für einen echten Mac aufbringen können oder wollen, der täuscht sich gründlich. Ebenso falsch ist die Annahme, dass der typische Hackmacker ein technikverliebtes Spielkind ist, das zu viel Zeit hat und deshalb nicht mit dem Rechner, sondern fortwährend an ihm arbeitet. Ich will versuchen meine Motivation für das Projekt Judas kurz zusammenfassen:

Mein Hauptarbeitsrechner ist seit 2004 ein PowerMac G5 1,8 Dual, dessen Leistung für meine Bedürfnisse immer noch völlig ausreicht. Leider hat diese Maschine völlig spontan einen Defekt der Lüftersteuerung erlitten, der zu unschönen Betriebsnebengeräuschen führt. Wie das so ist: Bei einem Rechner, der inzwischen sechs Jahre alt ist, lohnt sich der Einbau einer neuen Hauptplatine nicht mehr. Im Grunde ist es ein wirtschaftlicher Totalschaden. Deshalb habe ich mir die Desktop-Rechner, die Apple derzeit anbietet, angeschaut und festgestellt, dass keines dieser Produkte meinen Computerbedürfnissen entspricht. Ein iMac kommt für mich nicht in Frage, weil ich Komponenten mit überschaubarem Aufwand austauschen können möchte und meine beiden Bildschirme weiterhin zu benutzen gedenke. Ein Mac mini böte zwar die erforderliche Rechenleistung, allerdings müssen mindestens zwei Festplatten in meinen Rechner passen und externe Geräte habe ich jetzt schon genug. Ein Mac Pro ist in jeder Hinsicht überdimensioniert, sowohl von der Leistung, als auch vom Stromverbrauch und Preis her. Seit Jahren frage ich mich, warum Apple das offensichtliche Loch in der Produktpalette nicht endlich schließt und da bin ich weiß Gott nicht der einzige. Inzwischen habe ich die Hoffnung aufgegeben, dass Cupertino das heftige Flehen irgendwann doch noch mal erhört.

Ein unbestreitbarer Vorteil des Macs ist seine sprichwörtliche Bedienungsfreundlichkeit. Kritiker werden einwenden, dass ein Hackintosh genau diesen Pluspunkt
eben nicht mehr aufweist: Die Installation des Betriebsystems ist kompliziert, das Einspielen von Systemaktualisierungen kann zum Totalversagen führen und jede zusätzliche Hardware-Komponente will vor dem Einbau auf ihre Kompatibilität hin geprüft werden, wobei ein Restrisiko bestehen bleibt. So gesehen ist ein Hackmac ein Verrat am appelschen Credo, dem ich mich immer verpflichtet gefühlt habe. Daran ist nicht zu rütteln.Trotzdem bin ich der Ansicht, dass durch die Bemühungen der Hackintosh-Community die sogenannten Retail-Installs (Vanilla-Kernel) inzwischen so weit vereinfacht worden sind, dass ein Hackmac ein Alltags-taugliches Arbeitsgerät ist.


Rechtliches

Apple Inc. verbietet in seinen EULAs den Einsatz von Mac OS X auf Hardware, die nicht von ihnen selbst vertrieben worden ist. Folglich könnte man annehmen, dass der Betrieb eines Hackintoshs illegal ist. Dem ist aber nicht so: Erstens kann mir niemand den Erwerb und Besitz des Betriebsystems, das als Einzelprodukt verkauft wird, verbieten. Zweitens sind die appelschen Lizenzabkommen in Europa nicht gültig und daher auch nicht rechtlich bindend. Der Grund dafür ist simpel: Der Text des Lizenzabkommens wird dem Käufer erst während der Installation angezeigt, er ist nicht auf der Verpackung aufgedruckt.

Selbst in den Vereinigten Staaten, wo die rechtliche Situation anders aussieht, geht Apple nicht gegen die Benutzer von Hackintoshs vor und macht auch keine Anstalten die Betreiber von Webseiten, auf denen die Installation von Mac OS X auf Standard-PC erklärt wird, rechtlich zu belangen. Soll sich jeder seinen eigenen Reim darauf machen.


Hackintosh-Informationen im Netz
  • Die wichtigste Informationsquelle für Hackmacker ist insanelymac.com. Dort gibt es Installationsanleitungen, Auflistungen komptabiler Hardware und ein Forum mit einigen extrem fitten und hilfsbereiten Gleichgesinnten.

  • Der Vorgänger von insanelymac ist das OSX86-Wiki, das in letzter Zeit allerdings nicht mehr intensiv weitergepflegt wird. Dort gibt es eine umfangreiche Zusammenstellung geeigneter Hardwarekomponenten.
  • Eine sehr einfache Möglichkeit der Mac OS X-Installation auf ausgewählter Hardware ist der so genannte Kakewalk. Informationen, Download-Links und das zugehörige Webforum finden sich auf der Homepage.

  • Der berühmte Kakewalk-Thread aus dem insanelymac-Forum.
  • Hilfsprogramme, Gerätetreiber und mofizierte Kernel-Extensions gibt es bei kexts.com.
  • Die inzwischen schon fast legendäre Anleitung für den Schnee-Leoparden von lifehacker.

30 Silberlinge oder: "Darfs ein bisschen mehr sein?"

Klar: Man kann sich für vergleichsweise wenig Geld einen Hackintosh bauen, der einen Mac Pro alt aussehen lässt, aber das war nicht meine Absicht. Der Vorteil der Hackintosh-Hardware ist ja gerade die fast beliebige Skalierbarkeit des Systems. Die Leistung meines Hackmacs sollte in etwa der des aktuellen "großen" Mac minis (Modell 2009) entsprechen, denn mehr brauche ich angesichts meines Anforderungsprofils wirklich nicht. Wenn man dann die Preislisten des lokalen Kistenschiebers studiert, beginnt es natürlich in den Fingern zu jucken: Ein Quadcore ist auch nicht viel teurer als ein Core 2 Duo. Letztenendes ist aber ein System bei meinen Überlegungen herausgekommen, das sicher als "Budget-Build" durchgeht:

  • CPU: Intel E 8400 Core 2 Duo 2 x 3GHz (Tray)

  • CPU-Kühler: Arctic Cooling Freezer 7 Pro (Rev. 2)
  • Mainboard: Gigabyte GA-EP45-UD3LR

  • Grafik-Karte: Nvidia GF 9400GT 512MB SPARKLE (Passiv)
  • Speicher: 2 x 2GB DDR2-800 Team TKIT Elite
  • Gehäuse: Midi LC-Power 648B mit 420W Netzteil
  • DVD-Brenner: LG GH22NS30

  • Firewire-Karte: PCI 3+1 Delock (Nec-Chipsatz)

Dazu kommen noch zwei bereits vorhandene 1TB SATA-Platten von Samsung. Die benötigte Leistung des Netzteils wurde unter Angabe sehr großzügiger Parameter (3 Festplatten, 25% Capacitor Aging, zusätzlicher Gehäuselüfter, 5 externe USB-Geräte) mit Hilfe dieser Webseite zu 360 W ermittelt. Das 420 W-Netzteil ist somit völlig ausreichend. Die Kosten für die Hardware addieren sich (im April 2010) zu ca. 455 €. Der als Maßstab dienende Mac mini hätte zuzüglich der zusätzlich erforderlichen Festplattengehäuse etwa das Doppelte gekostet.


Montage

Man geht eben nicht mal schnell zu Gravis oder so, sondern besucht den PC-Höker seines geringsten Mißtrauens und rattert die Liste runter:


Und dann wird losgebastelt:


Die Montagezeit betrug ca. 35 Minuten (OK, war auch nicht gerade die erste Kiste, die ich zusammengebaut habe). Das Gigabyte-Board ist sehr solide verarbeitet. Dagegen fällt die Qualität des Gehäuses (Stecker, Bohrungen, Verkleidung, Lackierung) deutlich ab. Da hätte ich vielleicht ein bisschen mehr investieren sollen. Die Montage des CPU-Kühlers ist im Vergleich mit Modellen mit Stabilisationsblech auf der Rückseite des Mainboards wesentlich einfacher.


Er kann vom Design her ganz bestimmt nicht mit einem Mac mithalten. Dafür hat er die individuelle Hackintosh-Note.


macs and more

startseite

It's a Kakewalk

Vorn vorne herein war klar, dass auf meinem Hackintosh ein Vanilla-Kernel laufen sollte und nicht eine verkrüppelte Mac OS X-Version, die in Form sogenannter "Distros" in großer Anzahl im Netz zu finden sind. Die Begründung dafür ist hier nachzulesen. Die Verwendung einer handelsüblichen Mac OS X-Version mit möglichst geringen Modifikationen während und nach der Installation setzt allerdings zurzeit voraus, dass man sich bei der Hardwareauswahl, vor allem bei der Wahl des Mainboards, auf bestimmte Produkte beschränkt. Damit kann ich gut leben.

Ich habe mich für die Installation mit Kakewalk entschieden, weil diese Methode momentan wahrscheinlich die einfachste Möglichkeit für einen Retail-Install darstellt. Die Vorgehensweise ist im beiliegenden Guide hinreichend dokumentiert, deshalb will ich nur die Eckpunkte kurz umreißen:
  • Erzeugen eines Mac OS X-Images aus der Original-DVD

  • Präparation eines USB-Sticks als Installationsmedium

  • Aufspielen des System-Images auf den USB-Stick

  • Installation des Bootloaders auf den USB-Stick

  • Anpassung der BIOS-Einstellungen.

  • Start vom USB-Stick, Einrichtung der Festplatte mit dem Festplattendienstprogramm

  • Mac OS X Installation

Die Installation verlief ohne jedes Problem und war innerhalb von 20 Minuten abgeschlossen. Danach wurde der Bootstick entfernt und neu gestartet. Nach den BIOS-Meldungen grüßte mich der automatisch installierte Chameleon-Bootloader, dann schnurrte der Schnee-Leopard und zwar 64-bittig.


Die Installation wurde gründlich getestet. Out of the box funktionierten folgende Komponenten bzw. Systemfunktionen:

  • Beide Prozessorkerne und beide RAM-Riegel mit voller Taktrate und korrekter Anzeige bei "Über diesen Mac"

  • Serial ATA (alle Anschlüsse)

  • USB mit normaler 2.0-Geschwindigkeit (Anschlüsse an Gehäusefront und Rückseite)

  • Apple Alutastatur (USB) und USB-Maus ohne Lags oder Sprünge
  • Neustart, Ausschalten, Bildschirmschoner

  • Grafikausgabe mit 3d-Beschleunigung, Quartz Extreme und Core Image
  • DVDs und CDs lesen und schreiben

  • Automatisches Backup mit Time Machine

Diese Komponenten bzw. Funktionen funktionierten zunächst nicht, oder machten Probleme:

  • Audio Aus- und Eingabe: Die vorhandene Hardware wurde nicht erkannt
  • Automatischer Ruhezustand nach voreingestellter Zeit: Der Rechner ließ sich aber manuell in den Schlaf schicken und per Betätigung des Ein/Ausschalters wieder aufwecken

  • Die Firewire-Karte wurde nicht zuverlässig erkannt. Wenn sie erkannt wurde, funktionierte sie einwandfrei

  • Die Bildschirmauflösung ließ sich nur umschalten, wenn der Bildschirm per DVI angeschlossen war, sonst bekam man einen blauen Bildschirm

  • Der verwendete NoName Bluetooth-Dongle funktionierte hin und wieder, musste aber nach dem Ruhezustand aus- und wieder eingesteckt werden und erkannte manche Geräte gar nicht



Nach der Installation

Das Einspielen der fälligen Systemupdates (10.6.3 Comboupdate und diverse andere) verlief völlig problemlos, allerdings blieben die oben erwähnten Probleme bestehen und das Troubleshooting begann:

Das Problem mit dem Ton ließ sich durch Einsatz einer gehackten Kernelextension beheben, die mit Hilfe dieses Dienstprogramms installiert wurde. Damit funktionieren sowohl die Anschlüsse für Tonein- und -ausgabe auf der Rückseite als auch am Frontpanel.

Der automatische Ruhezustand funktioniert nach Installation dieser Kernelerweiterung.

Die Bildschirmauflösung lässt sich im Zweischirmbetrieb für beide Schnittstellen (VGA und DVI) ohne Probleme einstellen. Auch die Verwendung von Software, die die Auflösung selbstständig umschaltet, ist störungsfrei.

Die Firewirekarte konnte ebenfalls zur zuverlässigen Mitarbeit überredet werden. Sie wurde in den PCI-Slot eingebaut, der am weitesten vom CPU-Sockel entfernt ist. Über Probleme mit dem oberen Slot (mit den unterschiedlichsten Karten) wird häufig berichtet.


Me and Mr. Ischariot

Die Performance und Stabilität des Systems ist überzeugend. Außerdem ist der Rechner auch unter Last angenehm leise. Bislang gab es keine einzige Kernelpanik, kein Programm wurde unerwartet beendet. Ein paar Benchmarks:




Mich wundert, dass die Memory-Kennwerte gegenüber dem Mac mini (DDR3@1066) doch brauchbar ausfallen, damit hatte ich nicht gerechnet. Allerdings will ich mir auch nicht vormachen, eine Rakete zu Hause zu haben. Das zeigen auch die Cinebench-Ergebnisse. Judas ist ein Brot und Butter-Rechner ohne Highend-Grafikkarte, genau das, was ich brauche und wollte.

Inzwischen wurde die Installationsfestplatte gegen eine Terabyteplatte ausgetauscht. Dazu wurde die Installation auf die größere Platte geklont und der Bootloader manuell auf dem neuen Systemvolume installiert. Chameleon ermöglicht die Wahl der Bootfestplatte beim Start (die OS-Einstellungen in der Rubrik "Startvolume" funktionieren natürlich nicht). Bei der weiteren Einrichtung des Rechners traten keinerlei Probleme auf (abgesehen von erheblichem Ärger mit Apple Mail 4.2; wenn man die zahlreichen Berichte erboster Macnutzer im Netz berücksichtigt, scheint das nicht an der Hardware, sondern am völlig verbugten Programm zu liegen). Einige ältere Dienstprogramme und Spiele lassen sich nicht ausführen, weil sie inkompatibel zu Mac OS X 10.6 sind.

Wenn man die Hardware einem Stresstest unterzieht, zeigt sich, dass mit dem verwendeten Prozessorkühler auch noch ein bisschen Luft für Overclocking der CPU wäre. Wie man sieht bleibt die Temperatur der Prozessorkerne auch beim "Primeln" (Primzahlenberechnung mit Prime 95) einigermaßen im Rahmen:




Update November 2010: Seit dem Zusammenbau läuft Judas ohne ernsthafte Probleme. In dieser Zeit wurden alle Updates von Apple ohne größere Schwierigkeiten via Softwareaktualisierung eingespielt, darunter die Updates auf 10.6.4 und 10.6.5 (Nach dem Update muss jeweils eine aktualisierte Version des SleepEnablers installiert und die gepatchte AppleHDA.kext wieder aufgespielt werden.). Ärger verursacht weiterhin der bislang verwendete NoName Bluetooth-USB-Dongle, der sich nicht zuverlässig mit meinem Mobiltelefon verpaaren lassen will. Außerdem bleibt der Rechner beim Neustart noch vor dem BIOS-Screen hängen, wenn mein iPod Shuffle sich in seinem Dock befindet. Davon abgesehen lässt sich Judas von einem echten Mac nicht unterscheiden.

Inzwischen hat Apple einige neue Desktop-Computer vorgestellt: Einen neuen Mac mini, der zwar schick, aber leider völlig überteuert ist, neue MacPros, die einem wirklichen HighEnd-PC nur bedingt das Wasser reichen können und neue iMacs, die ich schon reizvoll, aber aus prinzipiellen Erwägungen (s.o.) nicht überzeugend finde. Angekündigt wurde außerdem das neue Betriebsystem "Lion" und der tolle "App-Store" für den Mac. Wie sich diese Neuerungen für die Hackintoshgemeinde auswirken werden, das steht in den Sternen. Trotzdem: Wenn ich heute vor der Neuanschaffung eines Computers stehen würde, dann würde es wieder ein Hackintosh werden (allerdings mit i5 oder i7, USB 3 und schnellerem Speicher). Und mit dem entsprechenden BIOS wäre die Installation inzwischen wahrscheinlich genau so einfach, wie bei einem Original-Mac. Ich bin sehr gespannt, wohin die Reise geht...