
luzifers reisen
hackintosh on the road
Die Welt begeistert sich für Apples neue Wunderkachel: Das iPad, ein Hand- und Augenschmeichler ohne USB-Schnittstelle. Wenn man sich mal überlegt, was man mit einem Mobilcomputer unterwegs so alles anstellen möchte, dann ist ziemlich schnell klar, dass das ach so innovative Gadget an den Bedürfnissen der meisten Benutzer meilenweit vorbei geht. Wer den Hype nicht mitmachen möchte, sondern sich lieber ein Gerät zulegt, mit dem man auch tatsächlich etwas anfangen kann, der wird bei Apples Tragbaren zwar fündig, aber er schleppt entweder 2,13 Kg mit sich herum (MacBook), oder hat das zweifelhafte Vergnügen, seinen Ethernet-Adapter nebst weiterer Peripherie um zwei USB-Schnittstellen konkurrieren zu lassen (MacBook Air). In beiden Fällen darf man mindestens 1000 € locker machen. Für meine mobilen Computerbedürfnisse (Surfen, Skypen, e-Mail, Newsgroups, Bilder sortieren, Terminal) ist das ganz eindeutig zu viel Kohle. Meine Anforderungen: Kompakt, leicht, mit selbst austauschbarer Batterie und mattem Display. So etwas will Apple für uns nicht bauen. Die Lösung: Ein gehacktes Netbook.
Geräteauswahl • Hardware • Installation • Postinstallation • Praxis • Upgrades
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Name your poison
Ein grundsätzliches Problem bei der Auswahl eines geeigneten Netbooks oder Laptops zur Verwendung mit Mac OS X ist, dass man eben nicht Hardwarekomponenten selbst aussuchen und zusammenbauen kann. Entsprechend finden sich haufenweise Berichte im Netz, in denen Hackintosher an ihrer eingebauten WLAN-Karte oder Webcam verzweifeln. Das Problem wird dadurch verschärft, dass man selbst innerhalb einer Modellreihe unterschiedliche Hardware vorfindet, weil die Produzenten das auf dem Weltmarkt einkaufen, was gerade günstig zu bekommen ist. Ich habe versucht mir einen Überblick zu verschaffen und bin auf dieser Webseite gelandet. Wie man leicht sieht, gibt es kaum ein Gerät, dessen Hardware 100%ig mit Mac OS X läuft. Im Grunde bleiben nur der Dell Mini 9 bzw. 10v und der MSI Wind U100 übrig. Ich habe mich für das letztgenannte Netbook entschieden: Der Dell Mini 10v wird nicht mehr hergestellt. Das Nachfolgemodell besitzt einen Intel NM10 Express Grafikchip, für den es noch keine Mac OS X Treiber gibt. Der Einbau zusätzlichen Speichers in den Dell Mini erfordert die völlige Zerlegung des Geräts. Ich bastel zwar gerne, aber ich bin kein Masochist.
Übrigens hat die Benamsung meines Hackbooks nichts mit einer Vorliebe für Satanistisches zu tun. Ich halte Satanismus, wie alle Religionen, für überflüssigen verlogenen Schwachsinn. Der Name kam mir aufgrund der ursprünglichen Bedeutung "Lichtbringer" in den Sinn (mein altes iBook hieß Prometheus).
Wer Wind sät...
Ich habe mein MSI Wind bei Ebay ersteigert. Als Luzifer eintraf, war ich natürlich sehr gespannt, welche Hardwarezusammenstellung nun tatsächlich vorlag:
- genaue Modellbezeichnung: U100 1616W7S
- eingebaute WLAN-Karte: Ralink 2700E (RT2680 Chip)
- Batterie: BTY-B12 4400 mAh (6 Zellen)
- eingebaute Webcam: Genesys (rev. 1.08)
Außerdem verfügt das Wind U100 über einen 1,6 GHz Intel Atom-Prozessor (N270), eine 160 MB Festplatte (Western Digital 5400rpm), eine 100Mb Ethernetschnittstelle (Realtek), die integrierte Intel GMA950 Grafikkarte, ein 10 Zoll Display mit einer Auflösung von 1024 x 600 Pixeln und 1GB DDR2 RAM, der sich auf 2 GB aufrüsten lässt.


Von Windows 7 hatte ich bereits nach einer halben Stunde die Nase voll: Also Festplatte gesichert und damit fertig für das Schnee-Leoparden-Abenteuer.
Insanely windy but less vanilla
Während ein Desktop-Hackintosh mit Gigabyte-Board und Nvidia-Grafikkarte sich mit Leichtigkeit mit Mac OS X füttern lässt, ist das Vorgehen beim MSI Wind schon etwas komplizierter. Zwar existiert eine angepasste Distro namens "SnowyWind", deren Einsatz kam für mich aber aus prinzipiellen Erwägungen nicht in Betracht. Es sollte schon eine Installation per Retail-DVD sein. Glücklicherweise existieren aber gut dokumentierte Installationsmethoden, die mit geringen Veränderungen der Systemsoftware auskommen. Apple hat mit dem Update auf 10.6.3 die Unterstützung für den Atom-Prozessor aus dem Kernel entfernt. Insofern kommt man um die Verwendung eines gepatchten Kernels nicht herum. Kritiker werden einwenden, dass so ein OS alles, aber nicht mehr Vanilla ist, und sie haben recht damit. Neben dem veränderten Systemkern sind eine ganze Reihe von gepatchten Kernelerweiterungen erforderlich.

- Die Präparation des USB-Sticks als Installationsmedium wird nach der Anleitung durchgeführt. Nach Anpassung der BIOS-Einstellungen (AHCI-Modus enabled, Overclocking disabled, Bootreihenfolge) und der Einrichtung der Festplatte mit dem Apple-Dienstprogramm läuft die Installation bis zum Ende durch und verabschiedet sich dann erwartungsgemäß mit einer Fehlermeldung: Locker bleiben!
- Sodann wird der Bootloader auf die Festplatte installiert und Mac OS X zum ersten Mal gestartet. Die Bildschirmauflösung ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht optimal und die Hälfte der Hardware funktioniert nicht. Man sollte eine USB-Maus angeschlossen haben.
- Die benötigten Kernel-Extensions sind praktischerweise als Paket verfügbar. Das Päckchen wird installiert und nach dem Neustart fühlt sich Luzifer bereits wie ein Mac an.
- Folgende Hardwarekomponenten funktionieren: Grafikkarte (1024 x 600, Quarz Extreme, Core Image), USB-Ports, Trackpad und Tastatur, Webcam (Photobooth, Skype, Bravo!), Kartenleser, Ethernet, internes Mikrofon, VGA-Schnittstelle (externer Monitor).
- Die Audioausgabe ist nicht zufriedenstellend: Es gibt Verzögerungen, Rumpeln und Knattern.
- Die WLAN-Karte wird nicht erkannt.
- Wenn der Deckel geschlossen wird, dann geht das Netbook in den Ruhezustand und wacht beim Öffnen wieder auf.
- Nach dem Update auf Mac OS X 10.6.3 ist zunächst nur die Auflösung 800x600 verfügbar. Abhilfe schafft das Programm UpdateEFI 1.3 mit dem man einige Pflegemaßnahmen durchführen und weitere Kernelerweiterungen auf der versteckten EFI-Partition installieren kann. Sehr praktisch!
- Zur Sicherung der Installation klont man die HFS+-Partition z.B. mit Superduper, installiert EFI Finisher auf der externen Platte und baut mit Update EFI den Kextcache neu auf. Falls man Änderungen im Extra-Ordner vorgenommen hat, kopiert man diesen vorher per Hand, denn die EFI-Partition lässt sich nicht klonen (missing boot file, Kernelpanik).

macs and more
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Let the wind blow
Um ein rund laufendes System zu erhalten und die fehlenden Funktionen zu ergänzen wurden folgende Tuningmaßnahmen ausgeführt:
- Die für die Audio-Ausgabe verantwortliche VoodooHDA.kext wurde gegen die empfohlene Version 2.4.5 ausgetauscht: Nach dem Neuaufbau des Kext-Cache hört sich Luzifer so an, wie es sich gehört.
- Treiber für die WLAN-Karte existieren, allerdings nicht für Snow Leopard. Ich habe sie trotzdem mal versuchsweise installiert. Es gab zwar eine Fehlermeldung und das Installationsprogramm hing und musste abgewürgt werden, doch nach einem Neustart und der Aktivierung der Wifi-Karte per Funktionstasten zeigt das beiliegende Dienstprogramm tatsächlich die verfügbaren WLANs an. Allerdings kann man sich nur verbinden, wenn die Funknetze mit DHCP-Service laufen.
- Zur korrekten Anzeige des Prozessortyps bei "Über diesen Mac" trägt man in die Datei AppleSystemInfo.strings (/System/Library/CoreServices/Resources/German.lproj/) bei "CPU-Typ Unbekannt" mit dem Editor vi die passenden Werte ein.


Folgende Probleme ließen sich bislang nicht beheben:
- Der Zugriff auf iTunes-Bibliotheken anderer Rechner funktioniert nicht. Die Freigaben werden angezeigt, können aber nicht verwendet werden.
- Außerdem gab es bislang zweimal eine Kernelpanik: Einmal beim Abstöpseln des Netzteils und ein weiteres mal unmittelbar nach dem Aufruf des Systems durch den Bootloaders. Die Totalversager sind nicht reproduzierbar.
- Das Netbook läuft ausschließlich mit dem 32bit-Kernel, die 64bit-Variante lässt sich nicht booten.
Im Windkanal
Luzifer soll weder für Video- oder Grafikbearbeitung, noch für exzessives Numbercrunching verwendet werden. Das wäre angesichts der Prozessorleistung auch eine ziemlich gemütliche Angelegenheit. Der Atom N270 (Diamondville) ist zwar mit 1,6 GHz getaktet, allerdings beträgt die Frequenz auf dem Frontsidebus nur 133MHz. Die Leistungsaufnahme (TDP) liegt mit 2,5 W erstaunlich niedrig. Vor diesem Hintergrund ist die Angabe von Benchmarks nicht sonderlich sinnvoll, erst recht, wenn man das Subnotebook mit Desktop-Systemen vergleicht. Der Vollständigkeit halber:

Beim Surfen, Mailen und im Finder lässt sich trotzdem recht flüssig arbeiten. Problematisch ist mitunter die Nichtanpassung von Fenstergrößen an die geringe Bildschirmauflösung. Da hilft dann nur die "best guess"-Methode. Mit eingeschaltetem WLAN hält der Akku etwa 4 Stunden bei maximal gedimmtem Bildschirm. Ein anständiger Wert, wie ich finde. Selbst bei hellem Sonnenlicht lässt sich bei maximaler Helligkeit prima mit dem Gerät arbeiten. Die Verarbeitung (Spaltmaße, Schnittstellen, Displayscharniere) ist ausgezeichnet. Die Klavierlackoptik ist nicht unbedingt mein Geschmack, man sieht jeden Tapser und jedes Staubkörnchen überdeutlich, aber zum Anschauen habe ich mir Luzifer ja auch nicht zugelegt.
Insgesamt hat sich die Installation und Verwendung von Mac OS X auf dem kleinen Laptop als sehr unproblematisch erwiesen. Luzifer ist genau das Mobilgerät, das auf meine Anforderungen zugeschnitten ist. Ich kann das Hackbook uneingeschränkt empfehlen.
RAM-Upgrade
Der Ausbau des Arbeitsspeichers auf 2 GB ist vergleichsweise leicht zu bewerkstelligen und in 10 Minuten erledigt. Dabei entnimmt man zuerst die Batterie, löst dann insgesamt 9 Schrauben auf der Unterseite des Geräts (die Werksgarantie wird übrigens trotz Beschädigung des "warranty void"-Aufklebers durch die Aktion nicht außer Kraft gesetzt) und löst dann vorsichtig die Unterschale, wobei man am Displayscharnier auf der Seite mit dem Lüftungsgitter beginnt.

Nach dem Einbau des Riegels hakt man die Schale behutsam auf der Seite mit dem VGA-Port ein und drückt beide Teile zusammen (auch im Batteriefach). Man sollte darauf achten, dass alle Anschlüsse, besonders die beiden USB-Ports gegenüber der VGA-Seite sauber mit der Umrandung abschließen. Nach Kontrolle der Spaltmaße wird die Unterschale wieder festgeschraubt - fertig.

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