Whiteout & Bluenail

Januar 31st, 2012

Aha, der erste Schnee des Winters, der auch tatsächlich liegenbleiben kann, weil das sibirische Hoch “Cooper” für knackige Kälte im Grenzland sorgt. Bis -9°C soll es Ende der Woche runtergehen. Es ist an der Zeit die dicken Socken und langen Unterhosen doch wieder raus zu kramen, damit hatte ich, ehrlich gesagt, nicht mehr gerechnet. Und es fieselt gleichmäßig in zarten Flöckchen weiter. Schon schön.

So schön, dass ein Kumpel anrief, um zu fragen, ob man nicht ein spontanes Ründchen im Wald drehen sollte. Sollte man. Flott mit dem Auto bis zum Waldstadion und dann in den Busch. Ein wunderschöner Spaziergang durchs berieselte Gehölz schließt sich an und das Geräusch der Stiefel im frischen Schnee, dieses ungemein satte Knacken, hat man wirklich vermisst.

Nach einem guten Stündchen werde ich wieder abgeliefert und beim Aussteigen passiert es: Ein bisschen fahrig und zu schwungvoll, die Tür, die Hand, die zu kleine Lücke. Ein echter Klassiker denke ich, während der Schmerz mir in den rechten Mittelfinger fährt, den ich sogar noch irgendwie aus dem Spalt herausbekommen habe.

bn

Die Pein der nächsten Stunden kann man in folgende Phasen einteilen: 1.) Die akute Adrenalinphase: Man kennt das ja: Erst mal ist man so ärgerlich über die eigene Blödheit und die Ausschüttung des Stresshormons tut ein übriges, da rückt der Schmerz in den Hintergrund. Diesmal nicht. Die Fingerkuppe sendet ein lautfröhliches “Ich explodiere gleich”. Ich packe mir ein paar Eiswürfel drauf. 2.) Die ist-ja alles-nicht so schlimm Phase: Der Schmerz lässt nach. Das Zwischenergebnis der vorläufigen Inspektion wirft vor allem die Frage auf, ob ich den Nagel diesmal behalten darf. Daran schließt sich sofort die zweite Frage an, nämlich wie viele Wochen ich damit zu tun haben werde. Ach ja. 3.) Die Comeback Phase: Eine gute halbe Stunde nach der fatalen Zehntelsekunde stellt sich ein solides Pochen ein, die Einblutung hat das Nagelbett erreicht und jede Berührung der Fingerkuppe bringt mich den Wolken näher.

Inzwischen habe ich mir ein munteres “Lässt sich aushalten!” und ein “Das wächst sich raus!” zugerufen. Es hat aufgehört zu schneien und die Wintersonne taucht die wattierte Szene in ein güldenes Licht. Lovely Cooper.

Note to self: Es ist keine Suppe mehr da. Musik: Metallica, Darkane, Disma, Beneath Oblivion, Alcest.

38/34

Januar 20th, 2012

Klamotten kaufen, ich hasse das. Mag daran liegen, dass mir Mode und Stil ohnehin irgendwie abgehen (gibt schlimmeres). Die Sachen müssen leidlich passen, pflegeleicht und natürlich bezahlbar sein. Marken sind mir egal, Trends sind mir schnuppe, Individualität spielt sich bei mir zwischen den Ohren ab und das reicht auch. Wenn ich eine neue Hose brauche, dann steuere ich schon seit Jahren immer das gleiche Bekleidungshaus in der Aachener Innenstadt an. Auch wenn dieses zwischendurch pleite war und von der Konkurrenz übernommen wurde, hat sich in der Abteilung für Herrenoberbekleidung noch nie etwas verändert: Die Designerjeans, die Stoffhosen, die Sonderangebote - alles immer am gleichen Platz, das lob ich mir.

Mein größtes Bestreben ist, die Beschaffungsaktion mit einem für mich befriedigenden SHQ abzuwickeln. Der SHQ ist der Skidman`sche-Hosen-Quotient, den ich im folgenden kurz herleiten will. Es handelt sich dabei um das Produkt aus Kosten x Zeit, dividiert durch die Anzahl der erworbenen Hosen. Die Benennung der Größe ist folglich Eurominuten. Beispiel: Eine modebewusste junge Frau kauft im Rahmen einer 4stündigen Odyssee durch diverse Boutiquen ein Edelbeinkleid für 95 €, der SHQ beträgt entsprechend 22.800 €min. Mein heutiger SHQ errechnete sich dagegen zu 2025 €min, ein Spitzenresultat. Wer in diese Leistungsklasse vorstoßen will (ich wende mich hier ausschließlich an die mitlesenden Männer, für Frauen sind derartige Werte unerreichbar), der möge folgende Ratschläge beherzigen:

1.) Man darf bis zu 4 Teile in die Umkleidekabine mitnehmen, also nimmt man auch nicht weniger mit.

2.) Hosen unterschiedlicher Hersteller fallen bei gleicher Größenangabe unterschiedlich aus, vor allem beim Längenmaß. Man kann die Länge aber auch ohne Anprobieren vergleichen, indem man bereits als passend identifizierte und zur Auswahl stehende Hosen aneinander hält (duh!).

3.) Man(n) gehe tunlichst alleine einkaufen. Nicht nur, dass zeitaufwendige Extraschlenker entfallen (”Schatz, ich guck nur mal eben bei den Blusen”), man spart sich auch die erniedrigende Kommunikation zwischen Lebenspartnerin und Fachverkäuferin (”Wir suchen eine Hose für i*h*n”).

4.) Beratung durch das Personal tut nicht Not, stört sogar. Wird man trotz dicker Kopfhörer mit extrem lautem Deathmetal dennoch von der Seite angesprochen, reicht ein freundlich bestimmtes: “Danke, ich komme zurecht!” Das ist keine Floskel Männer: Wir kommen zurecht!

5.) Es schadet überhaupt nichts ein bereits anprobiertes und für passend befundenes Modell in Mehrzahl zu erwerben. Zartere Naturen greifen zum gleichen Modell in unterschiedlichen Farbgebungen.

Der Beitrag ist jetzt schon ziemlich lang, trotzdem will ich von meinem heutigen Hosenkauf noch folgendes berichten: Zeitgleich mit mir war ein mittelaltes Ehepaar niederländischer Provenienz in der Hosenabteilung zugange. Das Beratungsgespräch lief bereits, als ich mit schnellen und entschlossenen Schritten die Jeansecke enterte. Zeitgleich mit dem bedauernswerten Ehemann, nennen wir ihn Claas, betrat ich die Umkleidekabine. Während ich bereits mit der ersten Hose befriedigt feststellte, dass sich meine Größe nicht geändert hatte, hörte ich von nebenan nach einigem Keuchen ein vernehmliches “Zu eng”. Claas musste offensichtlich dem weihnachtlichen Gespachtel nebst zahlreicher Pilsgetränke Tribut zollen. Ihm wurde aber von seiner besseren Hälfte nach Abstimmung mit der Verkäuferin ein weiteres Beinkleid in die Kabine zugereicht. Ich setzte nach 2 Treffern aus 4 zur nächsten Runde an, alldieweil Claas diesmal ein schon ziemlich ratloses “Zu lang” vermeldete. Als ich mit dem zweiten 4er den Kabinenbereich betrat, wedelte Claas mit seinem gut gebräunten und schwarz behaarten Unterarm und der 5. zu langen Jeans hinter dem Vorhang hervor. Als ich den dritten und letzten Treffer setzte war Claas wieder bei “Zu eng” angelangt. Er hörte sich völlig verzweifelt an, auch weil seine Frau begonnen hatte, seine Körperform mit niederländischen Sticheleien zu beschreiben, die ich leider nicht mit hinreichender Authentizität wiedergeben kann. Dabei warf sie der Verkäuferin verschwörerische Blicke zu. Ich verließ die Szene Richtung Kasse. Armer Claas!

Note to self: Fritz! und Annex A. Mir bleibt nichts erspart. Musik: Schroeder Roadshow, The Jimi Hendrix Experience.

Stop SOPA

Januar 18th, 2012

STSP

Näheres hier.

Note to self: Löschen oder nicht löschen? Musik: Trent Reznor and Atticus Ross, Supergroove, The Gaslight Anthem.

Wer den Schaden hat…

Januar 14th, 2012

…der spottet jeder Beschreibung, oder so. Wer an dieser Stelle eine Stellungnahme zu der politischen Null erwartet, die sich zurzeit Bundespräsident nennt, der liegt völlig daneben. Es folgt vielmehr ein Rant zum Thema “Die Schattenseiten der Tätigkeit von Logistikunternehmen”. Tja.

Produktauswahl, Preisvergleich, Bestellung und Bezahlung, all dies findet ja heutzutage vor dem Bildschirm statt, während man bequem auf dem Hintern sitzt. Perfekt wäre es, wenn die Ware auch noch heruntergeladen werden könnte, oder sich auf wunderbare Weise im eigenen Wohnzimmer materialisieren würde. Man stelle sich das vor: Ein Knistern, ein Knacken, etwas rosa Rauch und schon steht der neue Flachbildschirm anschlussfertig da. Ein Traum und leider noch Zukunftsmusik, denn nach Abschluss der Bestellung treten die modernen Geißeln der Wohlstandsgesellschaft auf den Plan: DHL, DPD, GLS, Hermes, UPS und wie sie alle heißen.

Bekannt ist, dass die Lohnsklaven, die für diese Unternehmen tätig sein müssen, mit unverschämt niedrigen Pauschalentgelten abgespeist werden. Kein Wunder, dass die Paketboten im Durchschnitt eher übelgelaunt und übermüdet rüberkommen. Auch kein Wunder, dass der Bote mit der Sendung im Parterre hinter der Eingangstür wartet und das Paket eben nicht die Treppe heraufbringt. Daran hat man sich schon gewöhnt. Der Moment der Überraschung kommt dann, wenn man die Verpackung öffnet und die Ware in Augenschein nimmt:

G5

Hübsch, gell? Natürlich will mein Kunde diesen verbeulten Rechner nicht. Die Transportverpackung der Sendung war übrigens vorbildlich: Jede Menge Pappe, Polster, ein stabiler Karton und einige “Vorsicht zerbrechlich” Aufkleber. Da fragt man sich: Was hat der Carrier mit diesem Paket angestellt? Sind die Jungs in der Mittagspause mal ein bisschen mit dem Stapler drübergefahren? Ist der G5 spontan auf der Autobahn vom Laster gehüpft? Ist die Sendung von Thors Hammer getroffen worden?

Den Ärger habe ich jetzt: Erst habe ich mir ein Auto organisiert, um den Rechner im Paketshop abholen zu können, denn natürlich war ich zum Zeitpunkt des Zustellversuchs auf Arbeit. Dann habe ich die 22,4kg schwere Workstation durch eine Fußgängerzone gebuckelt, wo sich der Paketshop sinnigerweise befindet. Das gleiche darf ich jetzt wohl noch mal durchführen, die Austauschware ist bereits unterwegs. Naja und den defekten Rechner darf ich dann auch noch zum Shop transportieren. Neben dem dicken Hals werde ich also auch noch etwas für den Umfang meiner Oberarmmuskulatur tun.

Ich hätte keine Scheu den beauftragten Paketdienst zu nennen, aber da derartige Unverschämtheiten bei allen Unternehmen auftreten, bringt das nix. Jedenfalls ist es eine bodenlose Sauerei, wie heutzutage mit Paketen umgegangen wird. Da wünscht man sich die Zeiten der Bundespost zurück. Den Verursachern dieses Transportschadens würde ich den ramponierten Boliden gerne mit Schwung vor den Schädel knallen. Am besten gleich zwei- dreimal hintereinander.

Note to self: iBook fast im Schlaf. Von mir aus gerne wieder. Musik: Edvard Grieg, Fernando Sor, Federico Moreno Torroba.

Todendorf

Januar 10th, 2012

TD

Wir bilanzieren in Säcken. Ein voller Sack ist ein guter Sack. Ein sich im Keller befindender voller Sack ist ein perfekter Sack. Ein leerer Sack ist ein Sack, der zu füllen ist. Mehr kann man, ohne allzuweit auszuholen, nicht darüber schreiben.

Note to self: Sorgen? Lachhaft. Musik: PJ Harvey, Amebix, Marduk.

ducal, Martell & me

Januar 9th, 2012

Die kleinen fiesen Entscheidungen höhlen aus, Ding für Ding, Frage für Frage. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten wohin auch immer. Das wäre ein Anfang, aber so leicht ist es nicht. Wir haben ein kompliziertes System ersonnen, einen Schrank mit unzähligen Schubladen, darin so viele “Neindankes” und “Jabittes”, dass es uns erschlägt. Wir bilden uns eine Menge ein auf die Werke unserer Hände, auch wenn sie gegen eine Amöbe Schund und Stückwerk sind und nur auf Müllhalden und Scheiterhaufen enden können. Davor dienen sie uns dazu, uns voneinander zu unterscheiden, denken wir. Noch weiter davor gebären sie falsche Wünsche und fade Träume, lehren uns, wie leicht man sich zum Sklaven machen kann.

Wir können uns nicht mal Frühstück machen, ohne über Leichen zu gehen. Jedes Krümelchen, jedes Körnchen, jedes Flüschen, das wir bei uns haben, hat schon einen anderen unglücklich gemacht. Mit jeder Beschaffung, jedem “Ich will” setzen wir den Verrat an unserer Spezies fort. Mit jedem “Ich habe” mauern wir uns ein Stück weiter ein. So bleiben wir geborgen in einem Kokon aus Abfall, der dauerhafter ist als wir selbst. Ein Sarg aus Plastik, darin ein bisschen Kohlenstoff, ein bisschen Stickstoff, ein kleines bisschen Schwefel und sehr viel Wasser. Es ist eine Gnade, dass wir nichts davon mitnehmen können. Es ist eine Schande, dass wir genau das so heftig bedauern. Dunkle Materie, wir verstehen und verstehen doch nicht.

Zigaretten und Weinbrand, aber in Maßen. Kein Rausch kann milde stimmen, keine Vergiftung beim Davonstehlen behilflich sein. Wäre nichts da, mir den Blick zu verstellen, würde eine Menge fehlen. Ein Irrer inmitten von Verrückten, dessen Wut eine Geschichte vom Abfinden schreiben muss. Ein Feigling inmitten von Deserteuren, dessen Angst fern der Front kleingekocht werden soll. Ein Kretin inmitten von Volltrotteln, dessen Scham sich tief in der Nacht mit der Welt versöhnen will.

Sandkasten Kasinostraße

Januar 2nd, 2012

Unter all den Meldungen, die am Neujahrstag in den lokalen Onlinemedien veröffentlicht wurden, ragt eine heraus: In der Silvesternacht wurde bei mir um die Ecke ein Haus besetzt. Ja tatsächlich! Ein kleiner Trupp von vermummten Aktivisten hat sich des leerstehenden Gebäudes (Kasinostr. 55) bemächtigt, um “sinnvolle Widerstandsformen gegen neofaschistische Formierung, rassistische Ausgrenzung, sexistischen Normalzustand und soziale und politische Repression” zu finden.” Wow! Aachen als Keimzelle für eine neue Massenbewegung gegen so ziemlich alles, was uns unter den Nägeln brennt? Respekt!

Die Polizei jedenfalls nimmt die Aktion durchaus ernst und sperrt erst mal die Kasinostraße in beiden Richtungen. Diese Maßnahme hätte an einem normalen Werktag zu ganz besonders unschönen Szenen geführt. In der Haut der Beamten an der Absperrung hätte ich nicht stecken mögen. Nach und nach sickern Informationen zum Objekt und zur Aktion durch: Das Haus steht leer, weil es demnächst von Grund auf saniert und umgebaut werden soll. Die Besetzer suchen den Schulterschluss mit den Ortsansässigen und bitten um Spenden: Nahrungsmittel, Decken, Tabak und Blättchen. Auf der Straße kommt es zu einem Unterstützungsbrunch am gedeckten Tisch (samt durchaus bourgeoiser weißer Tischwäsche) durch Nachbar_innen, Spender_innen werden lobend erwähnt, die Unterstützer_innen zu Solidaritätskundgebungen aufgefordert. Möglicherweise schlafen die aber noch ihren Silvesterrausch aus. Es tut sich wenig.

BB

Allerdings bekommen die Besetzer Besuch, erst vom hiesigen Polizeipräsidenten, dann von einem Bundestagsabgeordneten der Linken. Auf der Webseite zum Projekt (s.o.) werden regelmäßig Updates gepostet: Die GSG9 soll sich bereits im Anmarsch befinden (Joh Leute!), von Taschenkontrollen unbeteiligter Passanten wird berichtet. Auf den Webseiten von AN und AZ diskutieren Sympathisanten und Kritiker mit ungewohnter Heftigkeit. Diese Kommentare werden wiederum auf der Projektseite diskutiert. Zu einer Einlassung eines gewissen “Andreas Kampe” (Wir wissen, wo dein Auto steht!) lesen wir dort:

“Sein Ausfall strotzt vor strukturellem Rassismus und legt dabei en passant die Ausgrenzungsmechanismen offen, die unsere Scheißgesellschaft Tag für Tag und seit immer konstituieren. Nie wieder Deutschland! “

Hammer! Armes Deutschland! Aber offensichtlich sind die Besetzer zum Äußersten entschlossen. Mit der Ausrufung der neuen deutschen Räterepublik von der Burtscheider Brücke aus ist stündlich zu rechnen.

Es kommt anders: In der Nacht wird verhandelt. Nach Begutachtung der Schäden am Objekt durch ein Mitglied des Stadtrats wird die Kurzzeitbesetzung beendet:

“Der Eigentümer hat nach langen Verhandlungen den BesetzerInnen absolute Straffreiheit seinerseits garantiert (sic!). Auch die Staatsanwaltschaft war gezwungen, nicht weiter gegen die im Haus verbliebenen Personen zu ermitteln (wow!). Alle Verbliebenen sind wohlbehalten und ohne Personalienkontrolle und mit sämtlichem Equipment raus.”

Tja Leute, so wird das aber nix mit “Nie wieder Deutschland!” da müsst ihr schon ein bisschen ausdauernder und ausgekochter werden. Wie wäre es das nächste Mal mit einem Trainingslager im Öcher Bösch im Vorlauf? Versteht mich nicht falsch, angesichts des Mangels an bezahlbarem Wohnraum in Aachen hätte eine gut vorbereitete und plausibel begründete Aktion durchaus mein Wohlwollen gefunden. Den “sexistischen Normalzustand” hätte man ja später immer noch angehen können, nicht wahr. Tröstet euch: Auch der Verfasser dieser Zeilen hat mal an der Zerstörung einer Mercedes-Limousine mitgewirkt und dabei “Feuer und Flamme für diesen Staat!” gebrüllt. Hat aber nix geholfen. Schade auch.

Note to self: Einwerfen und gut ist. Musik: Keine.

Spontaner Apfelweißer

Januar 1st, 2012

Der erste Tag des Jahres beginnt unspektakulär, schließlich war ich an Silvestern sehr brav. Ich schaue ein bisschen fern, lese und beantworte Mails - ein ruhiger Feiertag eben. Ab und zu jedoch vernehme ich aus meiner Küchenecke merkwürdige Geräusche. Etwa da, wo die Waschmaschine steht, klingt es so, als würde Pappe durchgerissen oder Pappstücke aneinander reiben. Na gut, neben der Waschmaschine steht ein -hm- mehr als gut gefüllter Altpapierkarton. Nicht auszuschließen, dass dort Zerknülltes und Zerrissenes peu a peu zusammensackt. Ich schiebe die Geräusche also auf die Schwerkraft, die sich zu ihrem Recht verhilft.

Gegen Abend will ich mir ein Brot machen, hocke vor dem geöffneten Kühlschrank als plötzlich genau neben meinem linken Ohr wieder dieses Geräusch auftritt und als ich den Kopf drehe, trifft mich fast der Schlag. Auf meiner Waschmaschine liegt ein am Vortag geöffneter Apfelsaftcontainer. Es handelt sich um einen dieser praktischen Behälter, die aus einem Folienbeutel mit Zapfhahn, umgeben von einer Papphülle, bestehen, in die selbstgepresster, ökologisch-dynamischer naturtrüber Apfelsaft abgefüllt wird. In diesem Fall stammt der Saft von den Früchten des elterlichen Anwesens, sehr lecker und sehr gesund. Dieser Behälter sieht aber plötzlich so aus, als wäre er hochschwanger. Der enthaltene Beutel muss unter gewaltigem Druck stehen, er hat die Papphülle bereits deformiert und eingerissen und macht Anstalten das papierne Gefängnis zu sprengen.

Selbst ohne Kenntnisse mikrobiologischer Stoffwechselprozesse wäre jedem Normalmenschen klar, was in diesem Behälter vor sich geht. Offenbar sind Hefesporen beim Abfüllen in den Saft gelangt, haben begonnen die enthaltenen Zucker umzusetzen und den Saftsack in ein Reaktionsgefäß, der Mikrobiologe sagt Fermenter, verwandelt. So etwas nennt man Spontangärung, ein Vorgang der auch bei der Herstellung belgischer Bierspezialitäten ausgenutzt wird. Offensichtlich ist der Zuckergehalt oder der Hefegehalt im Saft so hoch, dass die Flüssigkeit bereits in das Stadium der Sturmgärung eingetreten ist, anders ist die Verformung der Pappschachtel nicht zu erklären. Jedenfalls macht die Situation ein sofortiges Eingreifen erforderlich, sonst knallt es gleich und der Saft wird sich im günstigsten Falle in einen unschönen, naturtrüben Teich, im ungünstigsten Falle in einen alles verklebenden Film in wesentlichen Teilen meiner Wohnküche verwandeln.

Mit äußerster Vorsicht drehe ich den Behälter um 90° und öffne ganz ganz sachte den Hahn, damit das Kohlendioxid entweichen kann. Ein scharfes Zischen, dann ist die akute Gefahr vorerst gebannt. Ich hebe den Beutel aus den Resten der Pappschachtel und stelle eine erhebliche Schaumbildung fest. Myriaden winziger Bläschen steigen empor. Was mache ich jetzt? Den Saft wegschütten? Immerhin war ich an der Saftaktion beteiligt und weiß um die Mühen der Gewinnung. Außerdem sollte man mit Nahrungsmitteln sorgsam umgehen. Ist der Inhalt des Beutels noch ein Nahrungsmittel? Wie war das noch mit den Gärungsprozessen? Endprodukte sind Kohlendioxid und Ethanol. Das Kohlendioxid entweicht und das Ethanol - werde ich schon verkraften (grins)! Und Hefen? Naja, die sind ja auch im Hefeweizen und angeblich gut für Haare und Nägel. Auch wenn es bei mir für die Haare bereits zu spät ist, entschließe ich mich zum Selbstversuch. Ich fülle also ein Pröbchen ab, beschnüffle es: OK, leicht säuerlich, fruchtig, nicht unangenehm. Was solls, schlimmstenfalls verbringe ich die Nacht über der Kloschüssel: Nunc est bibendum! Ich leere das Probengläschen auf einen Zug, hm, moussierend, prickelnd, gar nicht so schlecht. Erinnert an den bekannten Apfelcidre. Auf einem Bein kann man nicht stehen. Das nächste Glas, ein etwas größeres, ist schnell gefüllt und auch schnell geleert. Schmeckt nach mehr, das Zeug.

Inzwischen ist etwa die Hälfte meines spontangärigen Apfeljungweins, also etwa 1,5 Liter, seiner Bestimmung zugeführt worden. Außer einer gewissen Beschwingtheit hat sich noch keinerlei negative Wirkung des Gesöffs gezeigt, ich werde also den Versuch bis zur Neige fortsetzen. Allerdings horche ich fortwährend in mich hinein und habe sichergestellt, dass einer schnellen Verholung Richtung Badezimmer nichts entgegen steht. Eine schöne Überraschung, die das neue Jahr da für mich vorgesehen hat. Prosit!

Note to self: Eigentlich ein selbst verschuldeter Koller mein Lieber. Du weißt es genau. Musik: Yes, Zara Leander, Reinhardt Mey.

10 aus 2011

Dezember 30th, 2011

Ja, jetzt wirds wieder langweilig. Ihr wisst, was kommen muss. Hier sind sie also: Die für mich 10 besten Alben dieses Jahres.

PJ

Platz 10: Parajubu - self titeled: Zu diesem Album der Aachener Experimentalrocker gab es bereits eine ausführliche Besprechung. Nach wie vor denke ich, dass Parajubu mehr Aufmerksamkeit verdient hätten, auch über Aachen hinaus. Dieses Album befand sich bei mir bis in den Sommer hinein in Dauerrotation, handwerklich und kompositorisch ein Hochgenuss.

FM

Platz 9: Feist - Metals: Ist das nun anspruchsvolle Popmusik oder brave Noch-Avantgarde? Kann ich auch nicht sagen. Sicher ist, dass Leslie Feist sich seit dem viel beachteten zweiten Album “Let It Die” mutig weiterentwickelt hat. “Metals” macht nicht da weiter, wo das 2007er-Album “The Reminder” aufgehört hat. Die neue Scheibe ist ein bisschen unzugänglich und experimentell. Jan Wigger schrieb im Spiegel, dass der Name “Metals” richtig gewählt sei, weil das Album “kalt” sei. Das sehe ich komplett anders. Leslie erzeugt eine fast schon intime Atmosphäre, große Teile der Platte wirken so, als seinen sie in einem kleinen Theater live eingespielt worden. Frau Feist war noch nie eine große Sängerin und musikalische Perfektion hört sich auch anders an. Aber man kann wunderbar mit der Platte tagträumen.

HD

Platz 8: The Human Abstract - Digital Veil: Jetzt wird es endlich metallisch: Die neue Platte von The Human Abstract gehört zu den Veröffentlichungen aus 2011, die eindeutig mehr Beachtung verdient gehabt hätten. Ich habe bereits kurz angerissen, warum mir das Album so gut gefällt, es ist der Balanceakt zwischen Düdeligkeit und wuchtiger Präzision. Man mag THA vorhalten, dass sie auf gleichem Kurs segeln wie “Between The Buried And Me” es früher taten. Allerdings gibt es auf “Digital Veil” Passagen, die wir auch auf einer der besseren Platten von “Queen” finden könnten. Es handelt sich hier um eine Schwermetall-Operette erster Kajüte und deshalb mag man auch gar nicht bekritteln, dass das Album zum Teil ein bisschen überproduziert und kitschig daherkommt.

OE

Platz 7: Origin - Entity: Klar, mindestens eine richtige Knüppelplatte muss in dieser Bestenliste enthalten sein. Der technische Death Metal von Origin spaltet die Szene, nicht weil die Musik so extrem wäre (na gut, sie ist für den Durchschnittskonsumenten extrem extrem), da muss man nur an “Braindrill” und Konsorten erinnern. Nein, es ist ziemlich offensichtlich, dass die Formation aus Kansas, USA viele Metaller überfordert, weil sie aus meiner Sicht den Kern des Genres ohne jeden Kompromiss rüberbringt: Da swingt nichts, es regiert brutale Kälte und technische Brillanz, aber so richtig böse sind “Origin” trotzdem nicht und genau das fehlt den Konsumenten, die sich gerne mit “Dying Fetus” und ähnlichen Bands abgeben. Vergleicht man die aktuelle Langrille mit dem 2008er-Album “Antithesis”, dann kann man konstatieren, dass die Produktion noch ein bisschen transparenter und der Gesang stark verbessert ist. “Entity” ist verdammt nah dran an maschineller Perfektion, da muss man dann wohl auch hinnehmen, dass das Schlagzeug sehr vertriggert ist. Wer nicht auf Sweeping und Highspeed-Blasts steht, wird mit dem Album nichts anfangen können. Alle anderen können die volle Spielzeit genießen ohne mit den Füssen zu wippen (zu schnell), ohne Headbanging (zu kalt) und mit ganz wenigen Momenten des Durchatmens.

FA

Platz 6: Fair To Midland - Arrows & Anchors: Ich nenne die Musik von Fair To Midland Progressive Rock, wer jetzt an Yes, Pink Floyd und King Crimson denkt, wird diese Meinung nicht teilen. Kein Wunder, die Band trat schon in Wacken auf, hat durchaus kernige und flotte Passagen, sogar mit Growls und Doppelbassdrum, in ihren Stücken und veröffentlicht auf dem Label des System Of A Down Frontmanns Serj Tankian. Vielleicht ist es gerade die Variablität und der Mut zum stilistischen Bruch, die für mich die Faszination von FTM ausmachen. Es würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen, wenn man versuchen würde alle Bands zu nennen, die das amerikanische Quintett beeinflusst haben. Um so bemerkenswerter ist es, dass die Formation einen unverwechselbaren eigenen Markenkern etabliert hat, der zu einem wesentlichen Teil aus dem markanten, glockenklaren und trotzdem sehr kraftvollen Gesang von Darroh Sudderth besteht. Die Arrangements von FTM sind ausgefeilt und mit viel Liebe zum Detail ausgeführt. Alles klingt leicht und spielerisch, trotzdem erdig und nicht gekünstelt. Radiotaugliche Hooklines und anspruchsvolle Breaks wechseln sich ab. Diese Gratwanderung gelingt nicht oft - Hut ab.

TD

Platz 5: Textures - Dualism: Auch diese Platte habe ich bereits vor kurzem besprochen. Seit sie auf meinem iPod und iPhone gelandet ist, gehört sie zu den meistgehörten Alben des zweiten Halbjahres. Das liegt daran, dass man bei aller Eingängigkeit auch beim hundertsten Durchlauf noch Neues entdecken kann. In einer Kritik zu dieser Platte habe ich gelesen, Textures seien die weichgespülte Variante von “Meshuggah” mit einem Schuss “Dream Theater”. Wenn das so ist, kann man der Band kein größeres Kompliment machen.

TB

Platz 4: Tom Waits - Bad As Me: Herr Waits hätte es ja gar nicht nötig, eine neue Platte zu machen. Er hat diesem Planeten und dem Verfasser bereits so viele unvergessliche Momente beschert, dass einem die Spucke wegbleibt. “Bad As Me” repräsentiert einerseits einen Anknüpfungspunkt an den Gipfel des Waits`schen Schaffens, der sicher mit den Alben “Swordfishtrombones” und “Franks Wild Years” erreicht wurde, andererseits ist das neue Album ein ganzes Stück braver als die avantgardistischen Werke a la “Bone Machine” und “Alice”. Wir dürfen annehmen, dass sich Tom in letzter Zeit beim Whiskykonsum zurückgehalten hat, denn die vergleichsweise immer noch völlig kaputte Stimme wirkt runderneuert und merkwürdig frisch. Vor ein paar Tagen ist Tom 62 geworden. Von da her kann es nicht verwundern, dass weniger Wut, sondern eine gewisse Altersmilde kennzeichnend für die neuste Veröffentlichung ist, das gilt jedoch nicht für die Texte des Albums, in denen er eine messerscharfe Analyse einer zerfallenden westlichen Kultur liefert (”Chicago”, “Talkin At The Same Time”) und uns natürlich auch, wie gewohnt, mit den schrulligsten und gleichzeitig liebenswertesten Typen bekannt macht (”Pay Me”, “Satisfied”). Tom Waits ist ohne Zweifel einer der großartigsten Songwriter und Arrangeure der letzten 4 Jahrzehnte, seine Konsequenz ist beispielhaft und seine Vitalität und sein Esprit lassen uns atemlos zurück.

MU

Platz 3: Machine Head - Unto The Locust: Auch hier möchte ich auf einen früheren Beitrag verweisen, dem ich nicht viel hinzufügen will. “Unto The Locust” ist meiner Ansicht nach das beste “klassische” Metal-Album des Jahres, ohne Schnörkel, bemerkenswert kraftvoll und kein bisschen innovativ. Man kann Thrash-Metal nicht ständig neu erfinden, aber das ist ja auch gar nicht nötig. Gute Stücke sprechen für sich und “Machine Head” treten den Beweis an, dass man auch nach Jahrzehnten im Geschäft überhaupt nicht abgenutzt sein muss. Man merkt einfach, dass die Band große große Lust hatte, dieses Album zu machen.

PG

Platz 2: Primus - Green Naugahyde: Meiner ausführlichen Kritik zum neuen Album von Primus will ich noch ein paar Zeilen hinzufügen, weil ich mir seit der Veröffentlichung im September dieses Jahres an dieser Scheibe wirklich die Ohren wund gehört habe. Inzwischen denke ich, dass es die beste Platte des Trios seit dem “Braunen Album” ist. Dafür gibt es drei Gründe: Erstens ist “Green Naugahyde” mit großem Abstand die Platte von Primus, die am besten klingt. Die Produktion ist unfassbar kompakt, klar, natürlich, mir gehen die Adjektive aus. Wenn man das Album in ausreichender Lautstärke über Kopfhörer genießt, fragt man sich, wie sie das hinbekommen haben. Der Sound ist zum Niederknien (Und mindestens ein Rezensent bei Amazon sollte sich mal seine Ohren untersuchen lassen). Zweitens wird klar, dass trotz des minimalistischen Ansatzes von Primus, jedes der drei Mitglieder genug Platz hat, sich auszuleben und das auf eine äußerst angenehme, schlichte Art und Weise. Auch wenn die Beiträge von Les Claypool bestimmend sind, Gitarre und Schlagzeug besetzen gekonnt die geboten Nischen und Erker und das Gesamtergebnis wird mit jedem Durchlauf runder. An dieser Platte ist nichts zu viel und nichts zu wenig, das können nur ganz wenige. Und drittens ist “Green Naugahyde” eben kein weiteres Solo-Projekt von Claypool. Alle Kritiker, die ständig Parallelen zwischen “Fungi And Foe” und GN suchen, sollten noch mal genau hinhören. Das neue Album (es wurde übrigens in zwei Tagen aufgenommen, unfassbar) schlägt den ganz großen Bogen, bietet einerseits den Session-Charakter der ganz frühen Aufnahmen und andererseits die verbastelte Verschrobenheit der Vorgänger-Alben. Nein, es ist kein Abräumer a la “Tommy The Cat” auf der Platte. Na und?

PC

Platz 1: Puscifer - Conditions Of My Parole: Trommelwirbel: Meine Lieblingsplatte des Jahres ist kein Haudrauf-Album, kein Mathcore, kein Metal, sondern eine elektronische Bastelplatte mit vielen sehr gefühlvollen Stücken. “Puscifer” ist ein Projekt des Tool-Sängers Maynard James Keenan. Jetzt könnte man natürlich denken: Ach, der olle Skidman hat so große Sehnsucht nach der neuen Platte von “Tool”, die auch dieses Jahr wieder nicht erschienen ist, dass er mit dem Surrogat vorlieb nimmt, aber das ist es nicht. Man kann mit “Conditions Of My Parole” auf eine wunderbare, ziellose Reise gehen, das Album ist wie ein Road Movie. Bekannte Motive ziehen an uns vorbei, Schlaglöcher, aber keine scharfen Kurven unterbrechen die Eintönigkeit. Und über allem liegt der hypnotische Gesang von Keenan, der irgendwie seinen Frieden mit der Welt gemacht hat. Akustische Samples, Schrammelgitarren und Synthie-Streicher treffen auf weitere Bauteile aus dem Elektronikbaukasten. Die Atmosphäre gleicht einer geschlossenen Wolkendecke mit ganz wenigen Lücken, durch die scharfe Bündel goldenen Sonnenlichts gleißen. Die bisherigen Veröffentlichungen von “Puscifer” setzten auf Provokation, nicht so sehr musikalisch, sondern vor allem in den Textaussagen und den übrigen Bestandteilen des Vermarktungskonzeptes (Webseite, Merch, etc.). Davon hat man sich gelöst. Das aktuelle Album ist subtil, trotzdem eingängig. Es ist schlicht, trotzdem immer wieder überraschend. Es ist kopfig und geht trotzdem zu Herzen. Und es gibt natürlich schon Parallelen zu “Tool” und “A Perfect Circle”: “Conditions Of My Parole” ist dicht, stimmig, selbsttragend, eben Musik von ganz großen Könnern.

So ganz schnell noch die Alben, die knapp an der Top 10 vorbeigeschrammt, aber durchaus erwähnenswert sind: “Scurrilous” von “Protest the Hero” war eigentlich schon fest vermerkt, bot aber zu wenig Neues. “The Hunter” von “Mastodon” litt unter der zu starken Konkurrenz. “Ruining it for Everybody” von “Iwrestledabearonce” ist durchaus bemerkenswert, aber doch leider ein ziemlicher Abfall gegenüber dem sagenhaften Vorgänger. “Let England Shake” von “PJ Harvey” traf zu spät ein, um sich nachhaltig festzusetzen und “The King Of Limbs” von “Radiohead” erwies sich auf Dauer doch als zu bemüht und unzugänglich.

Die größten Enttäuschungen des Jahres sind für mich: “I`m With You” von den Chili Peppers, eine bodenlose Frechheit, dann “Eternal Youth” von “Rolo Tomassi” wegen der zweiten Hälfte des Doppelalbums, die überflüssig wie ein Kropf ist. Den Vogel abgeschossen haben “Opeth” mit “Heritage”, die ich bereits verrissen habe. Die Platte ist eine gelangweilte Unverschämtheit.

Note to self: Kaum eine Reaktion. Schade auch. Musik: Na was wohl? Die Top 10 des Jahres!

Gehabt zu haben

Dezember 29th, 2011

Nur keine Aufregung! Der Reihe nach: Erst mal möchte ich mich ganz herzlich für die guten Wünsche zum Hauptkonsumfest bedanken, die mich per E-Mail, Grußkarte und Telefon erreicht haben. Zweitens möchte ich mir alle weiteren Anmerkungen zum Verlauf des diesjährigen Geschehens rund um den Weihnachtsbaum verkneifen, nicht weil dieser Verlauf so furchtbar gewesen wäre, sondern weil ich immer noch sortiere, was an den Feiertagen zwischen Besinnlichkeit, mehr oder weniger ausgedehnten Mahlzeiten, sehr ernsten Gesprächen, Besuchen in Seniorenheimen und dem Abhören des inzwischen nicht mehr ganz privaten Jahressamplers eigentlich für mich übrig geblieben ist. Drittens möchte ich allen, die hier vielleicht ab und zu reinschauen und noch nichts von mir gehört haben, ein herzliches “Frohes Fest gehabt zu haben” wünschen. Besser spät als gar nicht und seien wir mal ehrlich: Für ganz viele Menschen ist erst jetzt, in der Zeit “zwischen den Jahren” die Gelegenheit gekommen zur Ruhe zu finden und die Hektik der Vorweihnachtszeit und der vollgepackten Feiertage hinter sich zu lassen.

Natürlich habe auch ich noch eine, allerdings relativ kurze, Liste von Dingen abzuarbeiten, die dieses Jahr unbedingt noch passieren müssen. Der letzte Kunde des Jahres wird gleich klingeln, ein paar Rechnungen wollen geschrieben und ein paar wichtige Einkäufe erledigt werden. Von da her ist es für eine Bilanz des Jahres 2011 noch zu früh. Schwerer wiegen Projekte und Hängepartien, die im kommenden Jahreslauf des Planeten ums Zentralgestirn anstehen und beendet werden wollen. Ich will nur so viel verraten: Die Mehrzahl dieser Angelegenheiten ist eher unschöner Natur.

Das letzte Jahr hat für mich einige Veränderungen mit sich gebracht und die meisten dieser Veränderungen waren ausgesprochen positiv. Ich habe den Eindruck, dass ich ausgeglichener und gleichmütiger geworden bin. Das ist natürlich eine zweischneidige Angelegenheit, denn so ein bisschen gesunde Wut und Unzufriedenheit sind eigentlich eine ganz wichtige Triebfeder neue Herausforderungen anzugehen. In diesem Zusammenhang werde ich zum Jahresanfang einen Beitrag mit meinen guten Vorsätzen veröffentlichen. Außerdem muss ich zugeben, dass ich es hier und da an Konsequenz habe fehlen lasse: Das Projekt Moses ist immer noch nicht abgeschlossen, ich bin jetzt Besitzer eines Smartphones von Apple, gewisse dumme Angewohnheiten, die ich eigentlich schon ad acta gelegt habe, sind gerade in der letzten Zeit wieder aus der Versenkung aufgetaucht, da gilt es zukünftig wieder mehr Härte gegen sich selbst zu zeigen.

ACwet

Auch wenn die Aussichten für die kommenden Tage nasskalt und bescheiden sind, lasse ich mich davon nicht verstören: Das Kerzlein meines Adventsgestecks brennt, ich schlürfe einen heißen Tee, werde gleich noch ein bisschen am Weihnachtswhisky naschen und würde mir ausnahmsweise mal ein bisschen Schnee wünschen, der Jahreszeit angemessen eben. Aus den Boxen schallt Black Metal von Liturgy. Friedlich ist es draußen und in mir. Schön!

Note to self: Ein unmoralisches Angebot zwischen den Zeilen? Wir wollen uns doch nicht auf den letzten Drücker verheddern, gute Frau. Musik: Liturgy, Krallice, The Pros And Cons Of Recycling.